:: Jungenarbeit - Was ist das?

Was ist Jungenarbeit?

Jungenarbeit im engeren Sinne ist (sozial)pädagogische Arbeit von Männern mit Jungen und Jungengruppen. Die Jungenarbeit kennt vielfältige Themen und Methoden, sie versteht sich als pädagogische Haltung mit geschlechtsspezifischem Blick. Nicht nur Männer, sondern überwiegend Frauen arbeiten aber in Bildung und Erziehung mit Jungen, auch durchaus unter geschlechtsspezifischen Aspekten (cross gender). Dies wird manchmal zur besseren Unterscheidung als Jungenpädagogik bezeichnet.

Ziel von Jungenarbeit
ist es, die Jungen zu befähigen, ihr Leben selbstbewusst in die Hand zu nehmen.

  • Jungenarbeit setzt an den Geschlechtsrollen an und ist deshalb zuerst Persönlichkeitsbildung (Geschlechtsidentität in der Vielfalt)
  • Jungenarbeit will Gesundheit stärken, und zwar in leiblicher,  seelischer und sozialer Hinsicht.
  • Jungenarbeit will mehr männliche Bezugspersonen zu Verfügung stellen, weibliche Bezugspersonen sensibilisieren, beide qualifizieren
  • Jungenarbeit hilft, Geschlechtergerechtigkeit und Chancengleichheit herzustellen (Bildung, Arbeitsplatz, Familie)

Wesentliche Themen der Jungenarbeit
sind

  • die Reflexion von männlichen (und weiblichen) Geschlechterrollen,
  • der Umgang mit Aggression, Wettbewerb und Konkurrenz,
  • die Berufs- und Lebensorientierung,
  • die Gestaltung von Freundschaft, Liebe, Partnerschaft und Sexualität,
  • der Umgang mit Grenzerfahrungen: Rausch, Musik, Alkohol, Drogen.

Jungenarbeit als gesetzlicher Auftrag
Die Jungenarbeit als pädagogische Maßnahme der Jugendhilfe gründet sich rechtlich auf dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) von 1991. Dort heißt es in § 9.3: „Bei der Ausgestaltung der Leistungen und der Erfüllung der Aufgaben sind (…) die unterschiedlichen Lebenslagen von Jungen und Mädchen zu berücksichtigen, Benachteiligungen abzubauen und die Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen zu fördern.“

Gender Mainstreaming
In der Politik ist Jungenarbeit eingebettet in das Konzept des Gender-Mainstreaming. Was hat es damit auf sich? Im Englischen wird zwischen Sex und Gender unterschieden. Sex bezeichnet das biologische Geschlecht, Gender hingegen das sozialisierte Geschlecht. Gender umfasst alles, was man darüber lernt, wie Mann oder Frau zu sein hat. Dies wird vermittelt durch die Kultur und Sozialisierungsinstanzen der Familie und der Gesellschaft (Schule, Arbeit, Freizeit, Wirtschaftsform, Politikverständnis, Medien, Religion).

Gender Mainstreaming als Strategie wurde 1995 auf der 4. Weltfrauenkonferenz beschlossen und hat als Querschnittsaufgabe seither Einzug ins Politische gehalten. Gender Mainstreaming bedeutet, die Geschlechterperspektive in alle politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen einfließen zu lassen. Was bedeutet es, wenn ein männlicher Politiker über Frauenbelange entscheidet, was, wenn eine Frau wie die Bundeskanzlerin das tut. Oder konkreter: Ist die Ausstattung eines Jugendhauses eher an Jungen orientiert oder an Mädchen? Wird es von einem Mann oder einer Frau geführt? Die EU und die Bundesregierung haben Gender Mainstreaming als Strategie ausdrücklich festgelegt. Die (kommunalen) Gleichstellungsbeauftragten sorgen u.a. für die Umsetzung.



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