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Jungen auf der Flucht

Ein Praxistag zu Männlichkeit und Migration

Programm: Jungenfachtag 2016 Flyer-2016-03-23.pdf

Die Flüchtlingskrise, die Europa im Herbst und Winter 2015 erlebte, hat ein Geschlecht: Sie ist großenteils eine „Massenflucht junger Männer“, so der „Spiegel“ im September 2015. (Mit den Ereignissen in der Neujahrsnacht in Köln bekam diese Erkenntnis plötzlich dramatische Dynamik.) Die Gründe dafür sind verschieden. Junge Männer aus Syrien oder Eritrea etwa entziehen sich durch die Flucht dem Waffendienst bzw. der Zwangsrekrutierung. Für Frauen sind die vorgestellten Gefahren auf der Flucht oft größer. Sie und die Kinder sollen dann nachgeholt werden, wenn die Ankunft der Männer in Deutschland geglückt ist, per sicheren Familiennachzug. Deshalb sind manche junge Männer auch nicht so sehr an langfristiger Ausbildung, sondern am Geldverdienen interessiert, denn sie müssen ihre Familien unterstützen.

Konflikte sind programmiert, wenn diese Jungen und jungen Männer mit der westlichen Lebensweise konfrontiert werden. Nicht nur das Rollenverständnis der Geschlechter differiert, sondern das gesamte kulturelle Wertesystem schafft erhebliches Konfliktpotential, vom einfachen Einkauf oder der Bahnfahrt bis hin zu Verunsicherungen durch die sogenannte westliche Freizügigkeit.

Im Osten Deutschlands ist der Umgang mit interkulturellen Konflikten noch wenig geübt, auch gibt es weniger Erfahrungen zum Spannungsfeld Männlichkeit und Migration. Dem will unser Jugendhilfe-Fachtag in Theorie und Praxis-Einheiten nachgehen.

Zwei grundsätzliche Perspektiven wollen wir beleuchten:

  1. Was bringen diese jungen Männer mit? Was sind die (kulturellen) Unterschiede, was gilt es zu verstehen? Was sind dabei die Anknüpfungspunkte für unsere Arbeit? Welche Zugänge haben wir?
  2. Was bringen wir mit? Welche Voraussetzungen haben wir, um mit Migranten zu arbeiten? Welche Vorurteile und Vorannahmen machen es uns dabei schwer? Worin besteht eine sinnvolle pädagogische Haltung?

Neben dem Wissen um die sozio-kulturellen Differenzen geht es uns also um die Frage nach der eigenen Haltung gegenüber dem „Fremden“. Denn wie in einem Brennspiegel verdeutlicht sich beim Thema „Flüchtlinge“ ein Kernpunkt (sozial)pädagogischer Haltung. Bei aller Unterschiedlichkeit gibt es pädagogisch konstante Verstehens- und Handlungskompetenzen, die unabhängig vom kulturellen Kontext wesentliche Strategien vermitteln können. Erzieherische Arbeit beruht weltweit unter anderem auf Anerkennung und Förderung der Ressourcen, Achtung vor der Differenz und Begrenzung. Kurz gesagt: Meine eigene pädagogische Haltung, mein (Vor)Wissen, meine (Vor)Urteile, Annahmen und Erfahrungen prägen die Beziehung zu den fremden jungen Männern, mit denen ich zu tun bekomme, und sie prägen die Hilfsangebote, die ich machen kann und werde.

Die Flüchtlingskrise wird unsere Gesellschaft verändern. Die soziale Arbeit bekommt wie stets hier die Feuerwehrfunktion zugewiesen. Wir halten es für wichtig, das Thema der gesellschaftlichen Integration am Leitfaden der eigenen Arbeit zu diskutieren. Integration heißt nicht nur, den anderen mit meinen Regeln und Werten vertraut machen, sondern sich der Lebenswelt des Fremden zu öffnen und gemeinsam zu verhandeln, welche Grundwerte bei uns in Geltung sind und aus welchen Gründen.

Jürgen Reifarth, Fachgruppe Jungenarbeit in Thüringen, Erfurt
Heiko Höttermann, LAG Kinder- und Jugendschutz Thüringen e.V.
Ingo Gressler, Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport – Landesjugendamt

Datum:   19. Mai 2016
Ort: Bildungshaus St. Ursula Erfurt
Trommsdorfstraße 29, 99084 Erfurt
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Preis: 15,00
Information/Anmeldung:    LAG Kinder- und Jugendschutz Thüringen e.V. Johannesstraße 19, 99084 Erfurt
Telefon: 0361 6442264
Fax: 0361 6442265
Mail:    info@jugendschutz-thueringen.de
Web:    http://www.jugendschutz-thueringen.de/
Beginn:    9.30-15 Uhr


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